„Leipzig ist ganz weit vorn“ – Interview mit Joachim Llambi

Mehr Athletik, sehr enge Wettbewerbe und mit Leipzig als Turnierstandort in Deutschland ganz weit vorn: Ex-Profitänzer, Wertungsrichter und „Let’s Dance“-Chefjuror Joachim Llambi im Gespräch.

Valentin und Renata Lusin denken mit 32 darüber nach, langsam als Profis aufzuhören. Geht die Entwicklung im Tanzen ähnlich wie im Fußball in Richtung „Jugendwahn“?

Alle Spotarten sind – so unterschiedlich, wie sie sind – am Ende vergleichbar. Das hat nicht so viel mit Jugendwahn zu tun, das geht natürlich auf die Knochen und es kostet viel Zeit. Wenn man die 30 überschritten hat, dann ist es eben so, dass man darüber nachdenkt: Was kommt jetzt noch? Und dann gibt es viele Paare, die sich sagen: Okay, es gibt auch noch Vieles nach dem Tanzen, wir müssen noch 30 Jahre arbeiten.

Ist Tanzen denn nicht athletischer geworden? Die Paare trainieren ja heute auch anders.

Die Paare trainieren komplett anders. Und wenn man sieht, mit welcher Dynamik und Athletik sie ans Tanzen rangehen, dann ist das kein Vergleich mehr zu den zehn oder 20 Jahren davor.

Warum sehen Wertungsrichter und das Publikum manchmal ganz andere Wertungsergebnisse? Warum sind zum Beispiel die Lusins nicht ins Finale gekommen?

Weil die Lusins gut getanzt haben, aber im Verhältnis zu den anderen Paaren vielleicht noch nicht diesen Druck und diese Athletik hatten auf der einen Seite. Auf der anderen aber auch, weil die anderen Paare schon sehr lange aktiv im Geschäft sind und die Lusins auch noch eine gewisse Pause gemacht haben durch „Let’s Dance“ und für die Wertungsrichter nicht immer so sichtbar waren.

Wird mehr Technik bewertet, weniger Ausdruck?

Die Wertungsrichter sind angehalten, das möglichst ausgewogen zu bewerten. Aber klar, am Ende des Tages sind Wertungsrichter auch nur Menschen, die auch nur das bewerten, was ihnen gefällt und was ihnen weniger gefällt. Die Paare sind leistungsmäßig sehr eng beieinander.

Wie wichtig ist für Sie Leipzig inzwischen im Turnierkalender der Profis und Amateure?

Man muss sagen, Oliver und Tina haben hier ein Turnier über zehn Jahre geschaffen, was es in Deutschland sonst nicht gibt. Bei den Amateuren gibt es – außer bei der Formationen – keine groß angelegten Welt- oder Europameisterschaften mehr. Sie haben in Leipzig mit dem Turnier ein deutsches Alleinstellungsmerkmal, und das ist natürlich großartig. Da ist Leipzig bei den Paartänzern ganz weit vorne.